Dekalog: Das vierte Gebot

13.06.2019   

Gott schenkt einen Feiertag

Dr. Christian Schwark erklärt in dieser Artikelserie die 10 Gebote (nach reformierter Zählung). Diese Artikel sind bereits bei idea erschienen.
Der Artikel wird von einer Video-Predigt von Pfarrer Schwark ergänzt.

Alle Texte dieser Serie können auch als Hardcover Buch im Lichtzeichenverlag bestellt werden.

Das vierte Gebot: Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn (2. Mose 20,8-11)

In Apostelgeschichte 20,7 erfahren wir, dass die ersten Christen ihren Gottesdienst am ersten Tag der Woche, also am Sonntag, feierten. Darum ist es biblisch, dass wir als Feiertag den Sonntag haben. Obwohl die Juden den Sabbat (Samstag) feiern. Der Sonntag ist der Tag der Auferstehung. Darum ist jeder Sonntag ein kleines Osterfest. Der Feiertag  ist so wichtig, dass es ein eigenes Gebot für den Feiertag gibt.

„Wer seine Geige liebt, der entspannt den Boden nach dem Spiel. Wer gutes Werkzeug haben will, entspannt die Säge nach der Arbeit. Wer gute Ernten haben möchte, der gönnt dem Acker ab und zu ein Brachjahr. Und bei uns Menschen? Wozu hat Gott den Sonntag gegeben? Die Antwort ist klar. Ein Obstbaum auf einer windigen Berghöhe bringt wenig Frucht. Denn er wird immer vom Wind geschüttelt und in Unruhe gehalten. So ist der Mensch, der das Sonntagsgebot missachtet.“ (zitiert nach: „In Bildern reden. Beispiele für die Wahrheit der Bibel“, hg v. Heinz Schäfer) Wir sehen: Der Sonntag ist ein Ruhetag. Ein Tag, an dem wir mal allen Stress hinter uns lassen können. Darum ist das Feiertagsgebot ein Segen Gottes. Es ist eigentlich eher eine Erlaubnis. Die Erlaubnis auch einmal ohne schlechtes Gewissen nichts zu tun. Viele Menschen leben ja unter einer ständigen Anspannung. Immer mit dem Gefühl: „Ich müsste noch etwas tun.“ Was für ein Stress! Wie schön, dass wir den Sonntag haben! Einen Tag, an dem wir ausruhen können. Ein Tag, an dem wir mit anderen zusammen sein können. Mit Freunden. Mit der Familie. Es gibt 52 Sonntage im Jahr. Also mehr als Arbeitnehmer Urlaubstage haben. Das ist doch wunderbar! Und es ist gut und wichtig, dass wir den Sonntag ernst nehmen. Vor ein paar Jahren gab es mal eine Kampagne mit dem Titel: „Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage.“ Leider wird der Sonntag in unserer Gesellschaft immer mehr ausgehöhlt. Immer öfter hört man Forderungen, dass die Geschäfte doch auch Sonntag geöffnet sein sollten. In einer Gesellschaft, die sich immer weiter von christlichen Werten entfernt, ist das nicht verwunderlich. Ich glaube nicht, dass uns das letztlich gut tut. Aber wir können es anders machen. Wir können ganz bewusst den Sonntag feiern und zur Ruhe kommen. Nun gibt es Leute, die sonntags arbeiten müssen: Krankenschwestern und Polizisten zum Beispiel. Oder in gewisser Weise auch Pfarrer. Aber da, wo es möglich ist, sollten wir den Sonntag als Ruhetag begehen. Wie gesagt, als Pfarrer habe ich auch sonntags Termine. Aber das, was ich am Sonntag vermeiden kann, das vermeide ich. Ich schreibe z.B. keine Predigten am Sonntag. Wie sieht Ihr Sonntag aus? Wird dann das aufgearbeitet, was in der Woche liegen geblieben ist? Oder nehmen Sie sich ganz bewusst Zeit? Viele denken ja: „Es geht einfach nichts anders. Sonst schaffe ich meine Arbeit nicht.“ „Wirklich?“, frage ich zurück: Könnte es nicht genau umgekehrt sein? Denken wir noch einmal an die Beispiele von der Geige, dem Feld, der Säge und dem Apfelbaum. Könnte es sein, dass ich sogar mehr schaffe, wenn ich einmal in der Woche richtig zur Ruhe komme? Probieren Sie es einfach mal aus! Gottes Gebote meinen es immer gut mit uns. Und wir können dabei auch an andere denken. Im 2. Buch Mose sind Familienmitglieder, Arbeiter, Fremde und sogar das Vieh mit genannt. Die sollen auch ruhen am Feiertag. So können wir auch durch unser Verhalten dazu beitragen, dass andere weniger arbeiten müssen am Sonntag. Ich nehme mal nur ein Beispiel: Ich könnte mich dazu entscheiden, am Sonntag bewusst nichts zu kaufen. Keine Brötchen zum Beispiel. Oder wenn verkaufsoffener Sonntag ist, bewusst nicht in die Stadt zu gehen und etwas zu kaufen.

Nun heißt das Gebot nicht nur: Du sollt am Feiertag keine Arbeit tun. Sondern: Du sollst den Feiertag heiligen. Heiligen, das heißt: An diesem Tag soll Raum sein für den heiligen Gott. Für den Gottesdienst. Manchmal hört man: „Die Katholiken haben die Sonntagspflicht. Die müssen sonntags in die Kirche gehen. Die Evangelischen müssen das nicht.“ Das Gebot Gottes sagt etwas anderes. „Wie gesetzlich!“, könnte jetzt jemand sagen. Ich frage wieder zurück: „Könnte es sein, dass es uns gut tut, wenn es hilfreiche Regeln gibt für unser Leben mit Gott?“ Gott will uns doch nicht schaden durch die Gebote. Sondern er möchte uns helfen. Wie oft höre ich, das Christen aus der Gemeinde mir sagen: „Mir fällt es manchmal schwer mich zum Gottesdienst aufzuraffen. Aber wenn ich es geschafft habe, bin ich froh, dass ich da war.“ Oft kommt auch das Argument: „Ich habe so wenig Zeit.“ Ich sage dann gerne, und mir hat noch keiner widersprochen: „Wenn ich mir einmal in der Woche eine Stunde Zeit nehme, um auf Gott zu hören, spare ich in der Woche mindestens drei Stunden durch die Kraft, die er mir gibt.“ Auch hier wieder: Probieren Sie es aus! Dazu noch ein Brief, den ein Pfarrer geschrieben hat: „Sehr geehrter Herr Bayer! Sie stellen Aspirin her, das gegen Schmerzen, Erkältung und Fieber Wunder wirkt. Ihr Mittel wirkt, wie ich feststellen konnte, ausgezeichnet am Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag und vor allem am Samstag. Nur denen, die es am Sonntag nehmen, hilft es nicht. Die werden ihre Leiden und Schmerzen nicht los und können daher nicht zum Gottesdienst kommen. – Können Sie Ihr Mittel nicht noch einmal überprüfen und etwas hineintun, das auch an Sonntagen verlässlich wirkt?“ (zitiert nach Axel Kühner: „Hoffen wir das Beste. Ermutigungen für jeden Tag“)

Gott gibt uns im Feiertagsgebot auch eine Begründung. Er sagt: „Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage.“ Wenn wir den Feiertag ernst nehmen, machen wir es also wie Gott. Dann sind wir mit ihm verbunden. Gerade die Ruhe am Feiertag passt ja dazu. Wie können wir am besten etwas von Gott erfahren? Wenn wir immer beschäftigt sind? Von Termin zu Termin hetzen? Oder wenn wir uns in Ruhe Zeit nehmen? Zeit nehmen für die Stille, den Gottesdienst, das Bibellesen, das Gebet, das Gespräch? Wie wäre es, den Sonntag ganz bewusst dazu zu nutzen? Ich gehe z.B. Sonntagmorgens gerne noch einmal eine halbe Stunde raus und bete. Auch für den Gottesdienst und die Predigt. Solche Zeiten der Stille mit Gott tun mir gut. So kann der Feiertag die Beziehung zu Gott stärken. Übrigens stand der Feiertag schon bei der Schöpfung an erster Stelle. Es hat mal einer gesagt: „Am Anfang war die Pause.“ Am sechsten Tag wurde der Mensch geschaffen. Und am siebten war gleich Feiertag. Einmal zur Ruhe zu kommen vor Gott, hat auch eine große Bedeutung für den Glauben. Warum? Wenn wir immer nur in Aktion sind, denken wir leicht: „Ich muss alles schaffen!“ Und entweder werden wir stolz und sagen: „Was habe ich heute wieder alles hingekriegt!“ Oder wir jammern und denken: „Ach, das wächst mir alles über den Kopf!“ Und eine solche Einstellung übertragen wir dann bewusst oder unbewusst auch leicht auf die Beziehung zu Gott. Dass wir auch bei ihm alles schaffen müssen. Dass wir im Glauben viel leisten müssen. So kann Christsein in einen unglaublichen Stress ausarten. Immer muss ich mich fragen: „Habe ich auch genug getan?“ Wie schön, dass Gott das ganz anders sieht! Das ist der Kern des christlichen Glaubens: Wir können uns die Liebe Gottes nicht verdienen. Wir können da letztlich gar nichts tun. Sondern Gott hat durch Jesus alles für uns getan. Er sagt uns zu: „Du brauchst dir meine Liebe nicht zu verdienen. Sonden du kannst sie dir schenken lassen. Dafür bin ich am Kreuz für dich gestorben. Da habe ich alles für dich getragen, deine Schuld, deine Schwachheit.“ Der Feiertag, den Tag, an dem wir nicht arbeiten, kann uns daran erinnern. Und schließlich: Die Ruhe am Feiertag kann uns auch ein Zeichen sein für die ewige Ruhe, die Gott seinen Leuten einmal schenken wird. „Es ist noch ein Ruhe vorhaben für das Volk Gottes“, lesen wir in Hebräer 4,9. Auch im Judentum gilt der Sabbat als Vorgeschmack der Ewigkeit. 

Der Feiertag stärkt die Gemeinschaft mit Gott noch auf eine andere Weise. Indem wir im Gottesdienst mit anderen Christen zusammen sind. Ohne Gemeinschaft können wir auf Dauer nur ganz schlecht Christ sein. Unter dem römischen Kaiser Diokletian (244-311) wurden die Christen verfolgt. Auf eine ganz raffinierte Weise. Es wurde ein Dekret erlassen: „Es kann jeder, der will, Christ sein. Nur sollen die Christen keine Versammlungen halten. Das wird bei Todesstrafe verboten.“ Für sich durfte jeder Christ sein, sozusagen als Privatsache, aber sie durften sich nicht versammeln! Da kamen die Ältesten der Christenheit zusammen und berieten: „Was tun? Sollen wir nicht lieber nachgeben? Es kann ja jeder in seinem Haus machen, was er will. Da tut ihm ja keiner etwas.“ Und nun ist es sehr interessant, dass diese Christen aus der Verfolgungszeit gesagt haben: „Dass man zusammenkommt zum Beten, Singen, Predigen, Hören und Opfern, das gehört einfach zum Christsein dazu. Wir machen weiter!“ Und dann brach eine der grausamsten Christenverfolgungen aus. (zitiert nach Wilhelm Busch, „Jesus unser Schicksal“) Den Christen damals war es ganz wichtig, dass sie sich treffen. Denn das stärkt den Glauben. Dafür haben sie sogar eine Verfolgung in Kauf genommen. Würden wir das auch tun? Wenn wir an Christen in der Verfolgung denken, kann uns neu bewusst werden: Es ist etwas ganz Kostbares, dass wir uns sonntags zum Gottesdienst treffen können. In aller Freiheit. Und darum ist es auch gut, dass der Sonntag ein Feiertag ist.

Das Feiertagsgebot ist für die Juden ganz besonders wichtig. In Israel fahren bis heute am Sabbat keine Busse und Bahnen. Jesus hatte wegen dieses Gebots einige handfeste Auseinandersetzungen. Er heilte Menschen am Sabbat. Das passte manchen nicht. Seine Jünger rauften am Sabbat ein paar Ähren am Feldrand aus, weil sie Hunger hatten. Auch da gab es Ärger. Nicht wegen Diebstahls. Sondern wegen Sabbatschändung. Es ist ja Arbeit, Ähren auszuraufen. Da hat Jesus den Satz gesagt:  „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ (Markus 2,27)  Das heißt: Das Feiertagsgebot ist kein festes Gesetz. So dass wir ängstlich fragen müssten: „Was ist jetzt am Feiertag erlaubt? Und was nicht?“ Jesus hat uns gezeigt, dass wir hier keine strengen Regeln aufstellen sollen. Sondern dass wir ganz persönlich fragen: Was tut uns und unserem Leben mit Gott jetzt gut? Das heißt nicht, dass jetzt alles völlig beliebig wäre. Ein Arbeitgeber verlangte von seinem Angestellten Sonntagsarbeit, indem er erklärte: „Ihre Bibel lehrt ja, dass sie ihren Ochsen, der am Sabbat in die Grube fällt, herausziehen dürfen.“ Der Angestellte antwortete: „Wenn aber mein Ochse die Angewohnheit hätte, jeden Sonntag in die Grube zu fallen, würde ich entweder die Grube zuschütten oder den Ochsen verkaufen.“ (zitiert nach: „Hört ein Gleichnis. Beispiele für die Wahrheit der Bibel“, hg v. Heinz Schäfer), Hört ein Gleichnis. Beispiele für die Wahrheit der Bibel) Diese kleine Begebenheit zeigt uns: Dass wir mit dem Feiertagsgebot flexibel umgehen, heißt nicht: Es wird zum Normalfall, dass der Sonntag zum Werktag wird. Wir schaden uns selbst, wenn wir den Feiertag nicht ernst nehmen. Und umgekehrt: Wenn wir diesen Tag bewusst erleben, können wir erfahren, wie Gott uns segnet. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete Sonntage!