Warum wir unbedingt reale Gottesdienstversammlungen brauchen

Seit einem Monat finden keine Gottesdienste mit Besuchern statt. Wie geht es den Gemeinden und Christen damit? Und wie sollten die Kirchen darauf reagieren?

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Zwar haben nicht wenige Gemeinden umgestellt: Sie streamen Online Gottesdienste und veröffentlichen Andachten im Internet. Teilweise werden auf diese Weise sogar deutlich mehr Menschen mit dem Evangelium erreicht als mit den Sonntagsgottesdiensten vor Ort. Doch es bleiben viele außen vor, die mit dem Internet nicht vertraut sind. Andere sehnen sich nach dem Gottesdienst in der Ortsgemeinde. Für sie bietet ein Online Gottesdienst keinen Ersatz. Ihnen fehlt die Gemeinschaft, die für den christlichen Glauben unverzichtbar ist.

In einer Zeit, in der beinahe alle gesellschaftlichen Gruppen Einschränkungen hinnehmen müssen, geht es nicht um das Pochen auf ein Recht, sondern um die seelsorgerliche Verantwortung gegenüber denen, die den Gottesdienst vor Ort dringend brauchen.

Wenn die Kirchen darauf nicht hinweisen, vermitteln sie den Eindruck als sei  der Gottesdienst nebensächlich und verzichtbar. Aber der Gottesdienst, in der Christen an jedem Sonntag die Auferstehung von Jesus Christus feiern und ihm begegnen, ist das Lebenselixier der Christen und ihrer Gemeinden. Die ersten Christen, die sich am Sonntagmorgen vor der Arbeit und am Sonntagabend nach der Arbeit zur gottesdienstlichen Feier trafen, waren überzeugt: Wir können auf den Gottesdienst nicht verzichten. Er ist uns wichtiger als unser Leben. Wir sind auch bewegt, wie wichtig der Gottesdienst unseren Schwestern und Brüdern in vielen islamischen Ländern, auch in China, Indien und Nordkorea ist. Sie feiern heimlich Gottesdienste. Dabei sind sie sich dessen bewusst, dass die Konsequenzen furchtbar sein können, wenn sie entdeckt werden.

Doch auch in unseren Gemeinden beten Christen mit den Worten aus Psalm 42, 2: „Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott zu dir.“ Sie warten sehnsüchtig darauf, wieder dem lebendigen Gott, seinem Wort und den Schwestern und Brüdern „auf Abstand“ im Gottesdienst zu begegnen. Ihnen sollten die Kirchenleitungen eine Stimme geben und sich öffentlich für sie einsetzen.

Es stellt sich zudem die berechtigte Frage: Warum sollten Gottesdienste am Sonntagmorgen ausfallen müssen, wenn von montags bis samstags Geschäfte bis zu einer Größe von 800 qm öffnen? Am Sonntagmorgen wird es wohl kaum zu unkontrollierten riesigen Menschenansammlungen in den Fußgängerzonen, geschweige denn in den Dörfern kommen.

Große Kirchengebäude mit wenigen Besuchern bieten die Voraussetzung, dass der Mindestabstand eingehalten wird. Gemeinden mit kleinen Gotteshäusern und vielen Gottesdienstbesuchern können mehrere Gottesdienste am Wochenende anbieten. Die Presbyterien übernehmen die Verantwortung dafür, dass die gesetzlichen Sicherheits- und Hygienevorschriften eingehalten werden.

Unter diesen Voraussetzungen sollten öffentliche Gottesdienste mit Besuchern in den Ortsgemeinden wieder möglich sein. Denn: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jedem Wort, das aus dem Munde Gottes geht.“ Matthäus 4,4

Für das Netzwerk Bibel und Bekenntnis

Pfarrer Dirk Scheuermann

Pfarrer Scheuermann ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Velbert-Nierenhof, die zur Evangelischen Kirche von Westfalen gehört, und Mitglied in der Fortsetzungsgruppe des Netzwerks Bibel und Bekenntnis