Dekalog: Das siebte Gebot

25.01.2020   

Dr. Christian Schwark erklärt in dieser Artikelserie die 10 Gebote (nach reformierter Zählung). Diese Artikel sind bereits bei idea erschienen.
Der Artikel wird von einer Video-Predigt von Pfarrer Schwark ergänzt.

Alle Texte dieser Serie können auch als Hardcover Buch im Lichtzeichenverlag bestellt werden.

Das siebte Gebot: Du sollst nicht ehebrechen (2. Mose 20,14)

Kaum ein Spielfilm kommt ohne Bettszene aus. Ich frage einmal: In wieviel Prozent der Filme sind die, die da miteinander ins Bett gehen, verheiratet? Ich glaube, es sind nicht sehr viele. Offensichtlich ist Ehebruch ganz normal geworden. Aber wir müssen nicht denken, dass das erst heute so ist. Früher wurde es nur mehr unter der Decke gehalten. Das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ ist nach wie vor hochaktuell. Zuerst die Frage: Was ist überhaupt Ehe? In Deutschland gibt es heute die „Ehe für alle“. In der Bibel ist dagegen eindeutig: Die Ehe ist gedacht als Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. So lesen wir es schon in der Schöpfungsgeschichte. Das heißt es in 1. Mose 2,24: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.“ „Ja, aber im Alten Testament gab es doch auch Polygamie“, wendet jetzt einer ein. Das ist richtig. Aber das ist eigentlich nicht der Wille Gottes. Es ist den Leuten auch nicht gut bekommen. Der König Salomo wurde z.B. durch seine vielen Frauen zum Götzendienst verführt. Und Jesus zitiert im Neuen Testament mehrfach das, was in 1. Mose 2 steht. Bei Paulus ist es auch ganz eindeutig. In 1. Korinther 7,2 schreibt er: Es „soll jeder seine eigene Frau haben und jede Frau ihren eigenen Mann.“

Dass die Verbindung von Mann und Frau schon in der Schöpfungsgeschichte erwähnt wird, zeigt: Die Ehe ist kein Zufallsprodukt. Sie hat sich auch nicht erst im Laufe der Zeit entwickelt. Sondern sie ist von Anfang an das, wie Gott sich die intimste menschliche Gemeinschaft gedacht hat. Man kann die Ehe auch als eine Schöpfungsordnung bezeichnen. In der Schöpfungsgeschichte steht auch, dass die Menschen fruchtbar sein und sich vermehren sollen (1. Mose 1,28). Eine Ehe ist also auf Kinder hin angelegt. Ein christliches Ehepaar wird darum nicht sagen: „Wir wollen keine Kinder.“ Es gibt Paare, die keine Kinder bekommen können. Die können natürlich nichts dafür. Und man muss da auch nichts erzwingen. Für viele ist es auch sehr schmerzlich, keine Kinder bekommen zu können. Da ist es gut, dass wir als Gemeinde für sie da sind. Dass die Ehe der Ort ist, wo Kinder geboren werden, unterstreicht noch einmal, wie wichtig die Ehe ist. Die Ehen von heute prägen die Kinder von morgen. Es gibt in unserer Gesellschaft kaum etwas was so wichtig ist wie funktionierende Ehen.

In der Schöpfungsgeschichte wird deutlich: Die Geschlechtsgemeinschaft hat ihren Platz in der Ehe eines Mannes mit einer Frau. Sie werden ein Leib (1. Mose 2,24). Das bedeutet, dass sich Mann und Frau auch körperlich miteinander verbinden. Und da geht es nicht nur um etwas Körperliches. Sondern dadurch wird eine Verbindung geschaffen, die tiefer geht als andere menschliche Verbindungen. Es gibt kaum etwas, was Menschen so miteinander verbindet, so innerlich bewegt, aber auch so verletzen kann wie Sexualität. Also ist jeder Geschlechtsverkehr von Partnern außerhalb der Ehe Ehebruch. Wenn Ehepartner fremd gehen zum Beispiel. Oder wenn die Partner nicht miteinander verheiratet sind. „Stopp!“, wendet jetzt einer ein, „in der Bibel gab es doch noch kein Standesamt.“ Und manche Paare sagen auch: „Wir sind einfach für uns verheiratet. Das muss doch nicht so offiziell sein.“ Natürlich steht in der Bibel nichts vom Standesamt. Aber schon im Alten Testament ist klar: Die Ehe ist nicht nur eine Privatsache. Sondern schon im Alten Israel wurden Ehen öffentlich geschlossen. Mit bestimmten rechtlichen Verpflichtungen. Also gibt es keinen Grund, warum wir das nicht auf unsere Ehe heute übertragen sollten.

Auch Ehescheidung ist letztlich Ehebruch. Manchmal gibt es persönliche Situationen, in denen das anders sein kann. Z.B. dann, wenn ein Nichtchrist und ein Christ miteinander verheiratet sind und der Nichtchrist sich trennen will. Dann kann der Christ guten Gewissens einer Trennung zustimmen. So lesen wir es in 1. Korinther 7,12-16. Aber das sind nur Ausnahmen. Manchmal muss man auch eine räumliche Trennung (aber keine Scheidung) empfehlen, wenn es gar nicht mehr geht. Generell hat Jesus die Ehe sogar noch stärker geschützt als das Alte Testament. Wir lesen das z.B. in Markus 10,1-12. Da sagt er, dass es in den Büchern Mose erlaubt war, sich scheiden zu lassen, weil die Menschen ein so hartes Herz haben. Dann erinnert er wieder an die Schöpfung und sagt einen Satz, der auch heute bei der Trauung vorkommt: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ Und dann noch einmal in aller Klarheit: „Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.“ Aber das ist noch nicht alles. Jesus sieht Ehebruch noch viel radikaler. Er sagt, Ehebruch fängt im Herzen an. Da, wo man sich vorstellt, mit einem anderen ins Bett zu gehen. Ich zitiere aus der Bergpredigt, aus Matthäus 5,28: „Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ Ihr Männer, wer hat da noch nie die Ehe gebrochen? Man kann übrigens auch am Computer die Ehe brechen. Wie viele Männer sitzen heimlich nachts am Computer und gucken Pornos. Immer mit der Angst: Hoffentlich merkt meine Frau nichts. Manchmal ist es schwierig zu sagen, wo Ehebruch anfängt. Ist es z.B. richtig, wenn ein Mann alleine mit einer Arbeitskollegin einen Ausflug macht? Oder wenn eine Frau sehr persönliche Dinge mit einem anderen Mann bespricht? In Traugesprächen mache ich Ehepaaren Mut, miteinander darüber zu reden, wann für sie Ehebruch anfängt. Bevor es zu schwierigen Situationen kommt. Denn manchmal kann es da auch Missverständnisse geben. Dass der eine etwas tut, ohne sich etwas dabei zu denken. Und der andere das als Ehebruch empfindet.

Es reicht nicht, nur zu sagen: „Das darfst du nicht, und jenes darfst du nicht.“ Viel besser ist es, Ehen zu stärken. Wie heißt es so schön? Glückliche Ehen zerbrechen nicht. Darum möchte ich allen Ehepaaren Mut machen: Investiert in eure Ehe! Nehmt euch Zeit füreinander! In stressigen Zeiten empfehle ich: Macht einen Eheabend in der Woche, wo ihr nur zu zweit seid. Und vor allem: Redet miteinander! Ich habe öfter Gespräche mit Ehepaaren, die in einer Krise sind. Und da merke ich immer wieder: Wenn ein Paar vernünftig miteinander reden kann, kann man eigentlich für fast alles eine Lösung finden. Oft reden wir eher aneinander vorbei. Es ist z.B. gut, nicht gleich dagegen zu argumentieren, wenn uns irgendetwas nicht gefällt. Sondern erst einmal zu fragen: „Wie meinst du das?“ Dann ist es ganz wichtig für ein Ehepaar, auch körperlich in guter Weise zusammen zu sein. Paulus hat Ehepaaren ausdrücklich geschrieben, dass sie sich einander nicht entziehen sollen (1. Korinther 7,5). Außer zum Beten. Unter Christen gibt es da leider keine so gute Tradition. Da hieß es oft beim allem, was mit Sexualität zu tun hat: „Igitt, igitt!“ Viele christliche Ehepaare haben an dieser Stelle Probleme, weil sie über ihre sexuellen Wünsche nicht offen reden. Und dann ist der Schritt zu einem anderen Partner oder auch zu einer Prostituierten schnell da. Auch hierzu noch einmal Paulus: In 1. Korinther 7,33 und 34 schreibt er ganz nüchtern, dass Ehepartner sich um weltliche Dinge kümmern, um dem anderen zu gefallen. Also auch im sexuellen Bereich. Christliche Ehepaare müssen sich nicht unter den Druck setzten, eine besonders „heilige“ Sexualität zu haben. So wie ich einmal las, dass man beim Geschlechtsakt an die Vereinigung mit Christus denken soll, um keine unkeuschen Gedanken zu haben. Das kann man natürlich tun. Aber das muss auch nicht sein. Da wo ein Ehepaar sich einig ist, gibt es eine große Freiheit in diesem Bereich. Das schützt vor Ehebruch.

Und wenn man doch in Versuchung gerät? Wenn man sich einfach zu einem anderer Menschen hingezogen fühlt? Oder ein Alleinstehender zu einem Verheirateten? Dann ist es wichtig, sich nicht von seinen Gefühlen leiten zu lassen. Gefühle sind schön und gut. Aber wir sind als Menschen nicht Sklaven unserer Gefühle. Treue bedeutet: Auch gegen die Gefühle an dem Versprechen festhalten. Wenn man in einer schwierigen Situation ist, empfehle ich: Abstand halten! Möglichst wenig mit dem zusammen sein, der einen gefühlsmäßig so anzieht. Nicht nur für einen selbst. Sondern auch für den anderen. Es ist doch auch lieblos, bei einem anderen Erwartungen zu wecken, die dann nicht erfüllt werden können. Letztlich ist es ein Ausdruck der Liebe, wenn wir uns nicht nur von unseren Gefühlen leiten lassen. Denn das kann ganz wichtig sein, um die Ehe zu schützen.

Manchmal hat oder hatte man in christlichen Kreisen den Eindruck: Das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ ist das allerwichtigste. Es wird oder wurde so viel von sexuellem Fehlverhalten geredet, dass man den Eindruck hat: Alles andere ist nicht so wichtig. Das stimmt nicht. Ich sage in aller Deutlichkeit: Ein Geiziger oder ein Lügner ist nicht besser als ein Ehebrecher. Und ein Selbstgerechter, der meint, besser als andere zu sein, schon gar nicht. Das Problem beim Ehebruch ist, dass er häufig öffentlicher geschieht als z.B. Geiz oder Lügen. Aber vor Gott gibt es da keine Unterschiede. Es besteht also kein Grund, sich irgendwie besser zu fühlen als andere. Auch wenn Ehebruch vielleicht nicht unser Thema ist, dann sind es andere Dinge. Es ist darum auch falsch, einen, der die Ehe gebrochen hat, in der Gemeinde zu ächten. Was dabei hilft ist, sich zu fragen: Bin ich eigentlich weniger schuldig besser als der andere? So wie Jesus, als eine Ehebrecherin gesteinigt werden sollte, gesagt hat: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ (Johannes 8,7) Letztlich sind wir alle schuldige Leute. Das sollten wir gerade beim Thema Ehebruch nie vergessen. Man kann aber auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Weil sexuelle Sünden oft zu sehr im Mittelpunkt standen, sagen manche: „Über das Thema reden wir gar nicht mehr.“ Oder man spricht nur noch vom Scheitern der Ehe. Aber nicht mehr von Schuld. Das kann es ja auch nicht sein. Wie viele leiden z.B. darunter, dass sie von ihrem Ehepartner verlassen wurden. Das zu übergehen, wäre ein Akt der Unbarmherzigkeit. Ehebruch ist Schuld, nicht mehr und nicht weniger als alle andere Schuld auch.

Und so gilt für den Ehebruch wie für alle andere Schuld auch: Sie kann vergeben werden. Wir können Jesus alles bekennen, auch einen Ehebruch. Dann sagt er uns zu: „Auch dafür bin ich gestorben. Das muss dich nicht mehr belasten.“ Natürlich sind dabei zwei Dinge wichtig, wie bei aller anderen Schuld: Zuerst, dass wir wirklich einsehen: Es war nicht in Ordnung. Und nicht nur sagen: Der andere ist schuld. Und dann, dass wir das, was falsch ist, nicht weiter tun. Dass wir z.B. eine Beziehung außerhalb der Ehe beenden. Sonst sind wir wie ein Bankräuber, der sagt: „Es tut mir leid, dass ich die Bank ausgeraubt habe. Aber das Geld möchte ich gerne behalten.“

So wird das Thema Ehebruch für uns als Gemeinde zu einer Nagelprobe. Zum einen darauf, ob wir die Bibel ernst nehmen. Auch dann, wenn sie quer liegt zur gesellschaftlichen Meinung und zu dem, was „man“ heute so tut. Und zum anderen, ob wir verstanden haben, was Vergebung bedeutet. Dass die Schuld wirklich weg ist. Und es dann in der Gemeinde keinen „Nachgeschmack“ mehr gibt, so nach dem Motto: „Der hat ja mal die Ehe gebrochen, der ist bei uns ein Christ zweiter Klasse.“

Wie alle Gebote so ist auch das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ ein Gebot, das uns hilft, dass das Leben gelingt. Und nicht nur unseres, sondern auch das unserer Kinder. Darum möchte ich uns Mut machen, nicht nur darüber zu diskutieren: Was darf man alles und was nicht? Sondern sich neu darüber zu freuen, dass Gott die Ehe gegeben hat. Und dass er sie durch sein Gebot schützt.