Verschiedene Bibelverständnisse im Pietismus?

28.10.2019   

Pfarrer Karl Baral, Kusterdingen, beschäftigt sich kritisch mit der Äußerung und Ansicht, im Pietismus habe es immer schon verschiedene Bibelverständnisse gegeben. Auch mit der in letzter Zeit öfter zu hörenden These, das Vertrauen in Jesus sei der Vertrauenswürdigkeit der Bibel deutlich überzuordnen, wird kritisch kommentiert. Karl Baral ist Mitglied des württembergischen Pfarrerarbeitskreises Confessio, unseres Netzwerks Bibel und Bekenntnis und insbesondere des neu gegründeten württembergischen Arbeitskreises Netzwerk Bibel und Bekenntnis.

Hier einige Auszüge aus dem Aufsatz:

„Seltsame Meinungen werden heute vertreten. Sie klingen eindrucksvoll, manchmal sind sie geeignet, Menschen, auch Christenmenschen zu verwirren. Das heißt aber keinesfalls, dass sie richtig sind. Gerade die grundlegenden Lehren sind es, in denen die Gemeinde am meisten angefochten wird, nämlich die, die von Jesus Christus, Seiner Person und von Seinem Werk handeln, also von dem, wer Er ist und was Er für uns getan hat, und die Lehre von der Heiligen Schrift.“

„Aber – es gibt heute nichts, was es nicht gibt, selbst in Kirche und pietistischen Organisationen. So hat es mich schwer getroffen, als ich kürzlich las, dass ein christlicher Leiter tatsächlich behauptet hat, es gebe im Pietismus verschiedene Schriftverständnisse. Aber das ist genau dieselbe irreführende Fehlinformation, wie wenn man sagt, in der Landeskirche gebe es (berechtgt) verschiedene Schriftverständnisse. Denn: Der Pietismus ist keine Lehrbewegung, sondern eine Frömmigkeitsbewegung. Er hat kein eigenes Bekenntnis, sondern steht in der Bekenntnistradition der jeweiligen Kirche: Der lutherische Pietismus in der lutherischen Bekenntnistradition, der reformierte Pietismus in der reformierten Bekenntnistradition. Beide aber lehren, dass die Bibel das Wort Gottes ist.“

„Ein Gegensatz von Jesustreu und bibeltreu ist also „grottenfalsch“. Vielmehr ist der Jesus treu, der mit Ihm persönlich verbunden ist, Sein Wort (die Bibel) aus Seiner Hand empfängt und es als Sein Wort und als persönliche Anrede liest und ihm gehorsam ist. Jesus und die Bibel auseinanderreißen – das tun die Historisch-Kritischen, die unter der „wissenschaftlichen“ Vorgabe (genauer: der Vorgabe der Philosophie Immanuel Kants) die Bibel mit atheistischen Methoden erforschen und mit der Bibel umgehen, „als wäre sie eine Leiche“ (Wilhelm Vischer).“

Hier der ganze Aufsatz: http://www.confessio-wue.de/fileadmin/confessio-wue/data/pdf/Bibelverst_d_Pietism-KB.pdf