Reformation aktuell: Die Mündigkeit aller Christen, alle Lehre zu beurteilen

26.01.2018   

von Dr. Wolfgang Reinhardt

Dr. Wolfgang Reinhardt (Kassel) war Pfarrer im missionarischen. Gemeindeaufbau in Herne und schrieb dort seine Dissertation über „Biblische Theologie des Gemeindewachstums“. Später war er Theologie- Dozent. Seit 20 Jahren ist er Aktivist für Überlebende des Genozids an den Tutsi in Ruanda. Sein Forschungsschwerpunkt: Erweckungsbewegungen und Evangelikalismus. Er ist Mitglied des Netzwerks Bibel und Bekenntnis.

 

Ist mündiges Christsein heute tatsächlich erwünscht? Zwei Beispiele aus eigener Erfahrung sollen zunächst verdeutlichen, dass man davon nicht immer ausgehen kann:

Der Gottesdienst unserer Kirchengemeinde wurde regelmäßig von vielen Jugendlichen besucht, die zum Glauben an Jesus gekommen waren. Sie hörten dort von sehr verschiedenen Pastoren sich teilweise widersprechende Predigten. Eines Sonntags riefen sie bei einer Predigt laut dazwischen: „Hört, hört!“ Das Presbyterium reagiert verärgert, statt sich über den Gottesdienstbesuch der jungen Leute zu freuen, die sich entsprechend ihrer Bibelkenntnis ein eigenes Urteil bildeten.

In einer Kurstadt findet ein Vortrag des populären katholischen Bestsellerautors Eugen Drewermann statt. Der evangelische Pastor begrüßt den beliebten Redner vor etwa tausend Zuhörern: „Lieber Bruder Drewermann, bei keinem anderen höre ich die Stimme Jesu so deutlich wie bei Ihnen!“ Zu meinem Erstaunen regt sich keinerlei Widerspruch, obwohl dieser Vertreter einer neugnostischen Religiosität permanent die zentralen Wahrheiten des christlichen Glaubens, nämlich Kreuz und Auferstehung, in Frage stellt. Tatsächlich wird seine „tiefenpsychologische Interpretation“ der Bibel auch von Fachpsychologen angezweifelt. Als ich hinterher als Einziger eine Gegenposition vertrete, gibt es großes Murren auf den Rängen. Am nächsten Tag ist in der Zeitung die Aussage des evangelischen Pfarrers zu lesen, unter den Zuhörern wäre jemand gewesen, der „kein gesundes Gramm Brot zu backen“ imstande sei…

Es wird sichtbar: Die Unterscheidung von Lehre und Irrlehre ist heute nicht populär, sie wird schnell als Rechthaberei diskreditiert. Natürlich streben wir zu Recht nach der Einheit aller Christen und es ist deshalb nötig, in vielen Fragen tolerant zu sein. Konfessionelle Besonderheiten (z. B. lutherischer oder reformierter Ausprägung) sollen nicht über das Gemeinchristliche gestellt werden. Andererseits gibt es Fragen, die die Kernwahrheiten des christlichen Glaubens berühren, in denen Unterscheidung und Auseinandersetzung notwendig sind. Hier geht es nicht um Rechthaberei oder Randfragen, sondern um den Kern des Evangeliums und der Reformation. Es geht um die Rettung, um das, was im Leben und in Ewigkeit trägt. Jesus kennt die Möglichkeit, dass durch eine verfälschte Verkündigung das Himmelreich für die Menschen verschlossen werden kann (vgl. Mt 23,13: „… die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen“). Deshalb brauchen wir mündige Christen.

Was heißt „Mündigkeit“?

Nach einer allgemeinen Definition (abgeleitet von „die Mund“, d. h. Schutz, Vormundschaft) wird unter einem Mündigen der nicht unter Vormundschaft Stehende verstanden. Eine vorläufige Definition von „evangelischer Mündigkeit“ beinhaltet dann, nicht mehr unter der Vormundschaft kirchlicher Autoritäten und Theologen zu stehen, sondern die Freiheit zu haben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dabei geht es nicht um eine abstrakte Freiheit, sondern um die Freiheit und Würde aus dem Hören und Tun des Wortes Gottes.

Mündigkeit nach dem Neuen Testament

Anhand einiger ausgewählter Stellen soll die neutestamentliche Sicht verdeutlicht werden: Lk 7,31–35 und Eph 4,14 nennen als Kennzeichen der Unmündigkeit die Unbeständigkeit, der Mensch wird „hin- und hergeworfen“. Er richtet sich nach den Wünschen der Leute, nach dem Wind des Zeitgeistes, nach der jeweils populären Lehrmeinung. Dagegen sollen die Nachfolger Jesu der Weisheit folgen, gegründet und gereift sein (Eph 4,11–13). Es ist die Aufgabe der „Ämter“ (also der „Hauptamtlichen“; Eph 4,12) in der Gemeinde, alle Gemeindeglieder zur Mündigkeit auszurüsten.

In 1Kor 3,1–4 und Hebr 5,12–14 fällt ein weiteres Kennzeichen auf: Die Christen sind hier im Stadium von unmündigen Kindern stehengeblieben, ihr Wachstum stagniert, sie sollten eigentlich schon weiter sein. Warum? Sie hängen sich an bestimmte Personen, damals an Apostel, heute können das vielleicht Lieblingsprediger, Theologen oder Pastoren sein. Auf diese berufen sie sich mehr als auf Christus und sein Wort. Hier scheint es aber wenigstens so zu sein, dass diese unterschiedlichen „Diener“ oder „Mitarbeiter“ keine Irrlehren verbreiten, sondern  jeweils mit ihren Gaben zum Wachstum bzw. Bau der Gemeinde beitragen (vgl. 1Kor 3,5–10). In Hebr 5 wird ein „unmündiges Kind“ (EÜ) charakterisiert als eine Person, die über die „Anfangsgründe“ der Lehre (vgl. Hebr 6,1b–2) nicht hinausgekommen ist. Dies bezieht sich nicht nur auf Wissen, sondern beinhaltet auch „geübte Sinne“ zur Unterscheidung des Guten und Bösen.

Nicht zu verwechseln ist diese Art von Unmündigkeit (im Sinne von Unreife; Zurückbleiben hinter dem Stand, den man schon erreicht haben sollte) mit den „Unmündigen“, um derentwillen Jesus den Vater lobt: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du all das den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.“ (Mt 11,25) Dies entspricht der Aufforderung Jesu, wie die Kinder zu werden, die ganz auf den Vater vertrauen und nicht auf ihre eigene Klugheit und Frömmigkeit. Das ist aber etwas ganz anderes als jene Unmündigkeit, die es zu überwinden gilt, nämlich ein Steckenbleiben in den Anfangsstufen des Christseins, das sich in mangelnder Unterscheidungsfähigkeit und gefährlicher Abhängigkeit äußert.

Das Neue Testament nennt auch positive Beispiele für mündige Christen, die keine Apostel und keine Theologen sind. Besonders beeindruckend ist hier das Ehepaar Prisca und Aquila, die sogar dem beredten Apollos Nachhilfeunterricht im Glauben geben (vgl. Apg 18,24–28).

Die Mündigkeit der Christen nach Martin Luther

Die Grundlage für christliche Mündigkeit ist die reformatorische Lehre vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen. Luther schreibt schon in seiner Frühschrift An den christlichen Adel deutscher Nation:

„Alle Christen sind doch wahrhaftig geistlichen Stands, und es besteht kein Unterschied zwischen ihnen als nur des Amts halber“, wir werden „allesamt durch die Taufe zu Priestern geweiht“.[i]

Dieses allgemeine Priestertum beinhaltet, dass jeder für andere beten und die Beichte abnehmen darf, dass er unter bestimmten Bedingungen das Wort Gottes verkündigen und Verkündiger berufen darf. Eine spezielle Ausprägung ist die Fähigkeit und Pflicht zur Unterscheidung rechter und falscher Lehre. Hier sind besonders zwei Schriften von Martin Luther grundlegend:

„Daß eine christliche Versammlung oder Gemeinde Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen“ (1523)

Als das kleine sächsische Städtchen Leisnig angesichts einer Pfarrvakanz bei Luther anfragte, ob es von Rom bzw. dem Bischof einen Priester eingesetzt bekäme oder ob es nach Anhörung der Kandidaten selbst einen Pfarrer berufen dürfe, antwortete er mit dieser Schrift. Die Antworten Luthers waren radikal, weil sie die bisherige Ordnung der Kirche umkehrten: Die Gemeinde dürfe nach biblischen Maßstäben selber urteilen, wählen, ordnen und verwalten. Der wichtigste Wesenszug der Gemeinde ist dabei, dass die Schafe Jesu nach Joh 10,27 seine Stimme hören und ihr folgen, nicht der Stimme des Fremden.

„Hier siehst du ja klar, wer das Recht hat, die Lehre zu beurteilen: Bischof, Papst, Gelehrte und jedermann hat Macht zu lehren; aber die Schafe sollen urteilen, ob sie Christus Stimme lehren oder der Fremden Stimme.“[ii]

Was Luther über die Deutungshoheit der Bischöfe und Gelehrten sagt, ist von höchster Aktualität im Hinblick auf manche Kirchenleitungen und Theologieprofessoren:

„Menschenwort und -lehre haben gesetzt und verordnet, man solle die Lehre zu beurteilen nur den Bischöfen und Gelehrten und den Konzilien überlassen. Was dieselben beschlössen, solle alle Welt für Recht und für Artikel des Glaubens halten […].“[iii]

Stattdessen gebe das Wort Gottes allen Christen diese Vollmacht:

„Denn Christus behauptet gerade das Gegenteil und nimmt den Bischöfen, Gelehrten und Konzilien beides, Recht und Macht, die Lehre zu beurteilen und gibt sie jedermann und allen Christen insgemein […].“[iv]

Luther lässt sich dabei von vier Bibelstellen leiten:

Joh 10,27: „Meine Schafe kennen meine Stimme“, und: „Meine Schafe folgen den Fremden nicht, sondern fliehen vor ihnen; denn sie kennen nicht der Fremden Stimme.“ (Joh 10,5)[v]

„Matth. 7,15: ‚Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig sind sie aber reißende Wölfe.‘ Siehe, hier gibt Christus nicht den Propheten und Lehrern, sondern den Schülern und Schafen das Urteil.“[vi]

„1. Thess. 5,21: ‚Prüfet alles; was gut ist, das behaltet.‘ Siehe, hier will er keine Lehre noch Satzung gehalten haben, es werde denn von der Gemeinde, die es hört, geprüft und für gut erkannt. Denn dies Prüfen geht ja nicht die Lehrer an, sondern die Lehrer müssen zuvor sagen, was man prüfen soll. So ist auch hier unter den Christen das Urteil den Lehrern genommen und den Schülern gegeben […].“[vii]

„Matth. 24,4f: ‚Sehet zu, daß euch niemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus, und werden viele verführen.‘ Summa, was ist’s not, mehr Sprüche anzuführen?“[viii]

Daraus zieht Luther den radikalen Schluss, dass „eine christliche Gemeinde […], die das Evangelium hat“, nicht nur das Recht, sondern „bei der Seelen Seligkeit“ sogar die Pflicht hat, solche Kirchenleitungen und Einrichtungen „zu meiden, zu fliehen, abzusetzen, sich zu entziehen“, die „gegen Gott und sein Wort lehren und regieren“.[ix] Aber weil die Gemeinde dennoch Lehrer und Prediger benötigt, so muss sie „diejenigen, die man dafür geeignet findet und die Gott mit Verstand erleuchtet und mit Gaben dazu geziert hat, selbst unter uns berufen und setzen“.[x]

Hierzu trifft Luther eine Unterscheidung: Einerseits gilt grundsätzlich das allgemeine Priestertum aller Gläubigen, „daß ein jeglicher Christ Gottes Wort hat und von Gott zum Priester gelehrt und gesalbt ist“[xi], unter Berufung auf Joh 6,45: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein“ oder 1Petr 2,9: „Ihr seid das königlich Priestertum, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat zu seinem wunderbaren Licht.“[xii] So sei jeder Christ „auch schuldig, dasselbe [Gottes Wort] zu bekennen, zu lehren und auszubreiten, wie Paulus sagt, 2. Kor. 4,13: ‚Wir haben auch denselben Geist des Glaubens; darum reden wir auch‘, […] so daß es abermals hier gewiß ist, daß ein Christ nicht allein Recht und Macht hat, das Gotteswort zu lehren, sondern schuldig ist, dasselbe zu tun bei seiner Seele Verlust und Gottes Ungnade.“[xiii] Wenn er sich an einem Ort befindet, „wo keine Christen sind, so bedarf er keiner anderen Berufung, als daß er ein Christ ist, inwendig von Gott berufen und gesalbt. Da ist er aus brüderlicher Liebe schuldig, den irrenden Heiden oder Nichtchristen zu predigen und das Evangelium zu lehren, wenn ihn auch kein Mensch dazu beruft.“[xiv] Als Beispiele werden Stephanus, Philippus und Apollos genannt, die jeweils ohne besondere Berufung gepredigt haben.

Auf der anderen Seite gilt: wenn jemand an einem Ort ist, wo Christen sind, „die mit ihm gleiche Macht und Recht haben, soll er sich nicht selbst hervortun, sondern sich berufen und hervorziehen lassen, daß er anstatt und auf Befehl der andern predige und lehre.“[xv] Doch selbst unter Christen kann es angebracht sein, nicht auf eine Berufung zu warten:

“Ja, ein Christ hat so viel Macht, daß er auch mitten unter den Christen, unberufen durch Menschen, auftreten und lehren kann und soll, wo er sieht, daß der Lehrer daselbst fehlt, doch so, daß es ordentlich und anständig zugehe. Das hat S. Paulus klar beschrieben, wenn er l. Kor. 14,30 spricht: ‚Wird dem, der da sitzt, etwas offenbart, so soll der erste schweigen.‘ Da sieh’, was hier Paulus tut! Er heißt den schweigen und abtreten mitten unter den Christen, der da lehrt, und den auftreten, der da zuhört – auch unberufen. Das alles darum, weil Not kein Gebot hat.“[xvi]

Noch deutlicher äußert sich Luther in einer seiner wichtigsten Frühschriften:

„An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“

Hier spricht er von drei Mauern, die „die Römlinge“[xvii], d. h. der Papst und seine Anhänger, gegen eine Reformation der Kirche um sich gezogen haben. Die zweite Mauer ist die Behauptung der Papisten, „daß sie allein wollen Meister der Schrift sein“[xviii]. Luther sagt es drastisch:

„Denn weil sie es meinen, der heilige Geist verlasse sie nicht, sie seien so ungelehrt und böse, wie sie können, werden sie kühn, festzusetzen, was sie nur wollen. Und wo das wäre, wozu wäre dann die Heilige Schrift nötig oder nützlich? Laßt sie uns verbrennen und uns mit den ungelehrten Herren zu Rom begnügen […].“[xix]

Ähnliches könnte man auch heute von manchen (keineswegs allen!) Kirchenleitungen, Theologenprofessoren und Pfarrern sagen:
Sie sind so kühn, zu behaupten, was sie nur wollen, auch wenn es der Heiligen Schrift krass widerspricht. Da wird etwa von der Lutherbotschafterin Margot Käßmann entgegen Jesu klaren Aussagen behauptet, dass es dem Geist Jesu widerspräche, vom Gericht Gottes und der Verlorenheit des Menschen zu sprechen.[xx] Dabei lassen sich gegen sie und viele weitere Theologen, die Jesus gegen andere neutestamentliche Aussagen ausspielen wollen, viele Beispiele aus Jesu eigenem Mund nennen, die diese Behauptung entkräften. Hier seien nur zwei angeführt, nämlich Mt 10,28: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können, fürchtet vielmehr den, der Leib und Seele verderben kann in die Hölle.“, außerdem die Warnung im Bildwort von der engen Pforte, durch die viele nicht hindurch kommen werden (Lk 13,24), das in die deutliche Mahnung mündet: „Es wird sein Heulen und Zähneklappern, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen.“ (Lk 13,28)[xxi]

Im Hinblick auf unhaltbare Lehrer folgert Luther mit erneutem Bezug auf Joh 6,45 („… daß alle Christen von Gott gelehrt werden sollen“[xxii]):

„Es kann also wohl geschehen, daß der Papst und die Seinen [hier könnten wir manche heutigen Theologen einsetzen] böse und nicht rechte Christen sind, noch von Gott gelehrt, das rechte Verständnis haben, und daß andererseits ein geringer Mensch das rechte Verständnis hat. Warum sollte man ihm dann nicht folgen? Hat nicht der Papst vielmals geirrt?“[xxiii]

Beherzigenswert für uns alle ist auch sein praktischer Rat:

„Aus all diesen und vielen anderen Sprüchen sollen wir mutig und frei werden und den Geist der Freiheit, wie ihn Paulus nennt (2. Kor. 3,17), nicht mit erdichteten Worten der Päpste verscheuchen lassen, sondern frisch hindurch alles, was sie tun oder lassen, nach unserem gläubigen Verständnis der Schrift richten und sie zwingen, dem besseren und nicht ihrem eigenen Verständnis zu folgen.“[xxiv]

Das könnte für uns bedeuten, dass wir uns nicht von Einschüchterungen der Kirchenleitungen oder der Arroganz besserwisserischer Professoren abschrecken lassen, sondern dass wir mutig widersprechen und unseren Glauben mit guten Gründen bekennen.[xxv]

Mündigkeit setzt dabei freilich voraus, wie Luther zuvor betont hat, dass die Christen und Gemeinden auf die Stimme des guten Hirten hören und sie von der Stimme des Mietlings unterscheiden können, ebenso die der rechten von den falschen Propheten. Nicht der gesunde Menschenverstand (der an seinem Ort nützlich ist), schon gar nicht die Mehrheitsmeinung der Gesellschaft oder einer Volkskirche schaffen diese Mündigkeit, sondern das regelmäßige Hören und Studieren des Wortes Gottes und der Austausch mit anderen Christen.

Aktuelle Beispiele

Auch heute ist christliche Mündigkeit unverzichtbar, was nachfolgend an einigen Beispielen verdeutlicht werden soll.

Siegfried Zimmer

Der so sympathisch erscheinende Prof. Siegfried Zimmer, der bereits mehrfach beim Gemeindeferienfestival SPRING und anderen Allianzveranstaltungen auftrat, rückt den Umgang konservativer Christen mit der Bibel in die direkte Nachbarschaft dessen, wie islamische Salafisten mit dem Koran umgehen.[xxvi] In seinen Vorträgen verbreitet er die Sicht, dass es keine guten Gründe gebe, die homosexuelle Praxis abzulehnen[xxvii] und dass für Christen vorehelicher Geschlechtsverkehr kein Problem sei, schließlich bestehe doch ein riesiger Unterschied zwischen den Paarbeziehungen in antiken und in modernen Gesellschaften.[xxviii] Seine Reden enthalten dabei viele historische Fehler und Schwachpunkte (wie z.B. Prof. Armin D. Baum nachgewiesen hat[xxix]), so dass sie nicht als wissenschaftliche Argumentation betrachtet werden können, sondern im Gegenteil als sehr populistische.

Vor allem aber verharmlost er die Voraussetzungen und die Folgen der sog. historisch-kritischen Forschung, so etwa in seinem auch bei SPRING oft verkauften Buch Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben?[xxx]. Schon der Titel des Buches ist irreführend, denn die Bibelwissenschaft gibt es nicht. Es existieren sehr große Unterschiede, wie stark eine sich wissenschaftlich nennende Bibelauslegung weltanschaulich bestimmt ist.[xxxi] Aus eigener, mehr als zwanzigjähriger Erfahrung in wissenschaftlich-exegetischer Arbeit kann ich hier nur kurz feststellen, dass ein Großteil der sog. historisch- kritischen Forschung in Wirklichkeit unhistorisch und unkritisch, vielmehr spekulativ ist. Bei dem Religionspädagogen Zimmer, der selbst keine eigene exegetische Forschung betrieben hat, vermisst man das Problembewusstsein für die Irrtümer und gefährlichen Voraussetzungen vieler neuerer Exegeten. Dagegen ist ein solches Problembewusstsein ebenso wie Selbstkritik bei bedeutenden Vertretern der historischen Bibelwissenschaft (etwa bei den Professoren Ulrich Wilckens, Peter Stuhlmacher, Klaus Haacker oder Klaus Berger) zu finden.

Der Sühnetod Jesu

Auch der Sühnetod von Jesus Christus wird heute gern umgedeutet. So hörte ich im Urlaub in einer kleinen Kirche am Rhein in der Karfreitagspredigt eines jungen Pfarrers, dass dieser Glaube an den Tod Jesu für uns doch nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten des Sterbens Jesu sei und wir keineswegs daran glauben müssten.

Der Widerstand gegen die christliche Botschaft von der Versöhnung durch das stellvertretende Sterben Jesu ist nichts Neues. Für die Mündigkeit des Christen ist es u. a. nützlich, nach Parallelen und Vorläufern einer Irrlehre zu fragen. So stellt zu diesem Thema schon Paulus fest, dass die Botschaft vom Kreuz „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“ ist (1Kor 1,23). Es war also schon damals anstößig, dass die Erlösung durch jemanden geschehen sollte, der wie ein verfluchter Verbrecher die abscheulichste Strafe der Römer erdulden musste.

Doch die modernen Vertreter dieser Lehre finden auch in der Kirchengeschichte berühmte Vorläufer, die das stellvertretende Opfer Jesu als entwürdigend für uns ablehnten. Es seien hier nur einige kurz erwähnt:

Schon zur Zeit der Reformation gab es die Sozinianer oder „polnischen Brüder“, die nicht nur die Trinität und damit die Gottessohnschaft Jesu ablehnten, sondern auch den stellvertretenden Tod Jesu. Dies stünde im Widerspruch zu Vernunft und Gerechtigkeit. Gott könne den Menschen ohne stellvertretendes Opfer vergeben und sie zur Buße und Reue führen. Damit waren die Sozinianer Vorläufer der Aufklärung und nahmen das Argument Immanuel Kants vorweg, dass Schuld nicht stellvertretend von einem anderen übernommen werden könne. Das sei eine für den sittlichen Menschen entwürdigende Vorstellung und der Mensch dürfe dies nicht einmal wollen.[xxxii]

Im 19. und 20. Jahrhundert fand dieses Gedankengut durch einflussreiche Theologen weite Verbreitung. Hier sei zunächst Daniel Friedrich Schleiermacher genannt, der davon ausging, dass das Sterben Jesu keine Bedeutung für die Erlösung habe. Es sei für uns nur ein Vorbild, wie man im Leiden und Sterben zu dieser Vollkommenheit reifen könne. Die Erlösung finde im Selbstbewusstsein des Menschen statt, als fortschreitende Reifung zur vollkommenen Persönlichkeit.[xxxiii]

Rudolf Bultmann, dessen Theologie so viele Pfarrer beeinflusst hat, meinte: „Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlosen (wenn man von einem solchen überhaupt reden darf) gesühnt werden? Welche primitiven Begriffe von Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung zugrunde? Welch primitiver Gottesbegriff? Soll die Anschauung vom sündentilgenden Tode Christi aus der Opfervorstellung verstanden werden: welch primitive Mythologie, dass ein Mensch gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschen sühnt!“[xxxiv]

Auch heute gibt es bekannte Theologen, die radikal die Stellvertretung Jesu für uns ablehnen und die begeistert aufgenommen werden. Hier wäre erneut Eugen Drewermanns gnostische Theologie zu nennen.[xxxv] Seine Arroganz und Unkenntnis hinsichtlich der wirklichen Bedeutung des Kreuzestodes kommt in erschreckender Weise in den folgenden Sätzen zum Ausdruck: Alle aufwendigen Erklärungsversuche machten nicht im Geringsten verständlich „warum es der scheußlichen Qual von Kreuz und Hinrichtung bedürfen soll, um irgendeine Schuld vor Gott zu sühnen! Was für ein Moloch von Gott braucht denn solche ‚Sühneopfer‘? […] Welch ein Mensch von etwas Sensibilität will denn überhaupt auf eine solche Weise ‚erlöst‘ werden!“

Viele feministische Theologinnen, z. B. Joanna Carlson Brown und Rebecca Parker, kritisieren die Kreuzestheologie ebenfalls, nämlich als „sadomasochistische Theologie eines ‚beleidigten‘ Gottes“, der nur durch das Bezahlen mit unschuldigem Blut wieder beschwichtigt werden kann.[xxxvi]

Der (sogar in evangelikalen Kreisen) sehr geschätzte Benediktinerpater Anselm Grün vertritt die Auffassung: Ein „Gott, der den Tod seines Sohnes braucht, um uns vergeben zu können, wäre ein sadistischer Gott … das Kreuz ist nicht die Bedingung, dass Gott uns vergibt.“[xxxvii] „Der Kern der biblischen Botschaft ist: Gott vergibt uns die Schuld, weil er Gott ist, weil er barmherzig und gnädig ist. Und nicht, weil Jesus am Kreuz gestorben ist.“[xxxviii]

Dagegen kann zunächst eingewendet werden, dass die Stellvertretung für einen anderen Menschen schon im rein menschlichen Bereich eine wichtige Rolle spielt. Und es ist uns auch nicht völlig fremd, dass einer sein Leben gibt, um andere zu retten.[xxxix] Mütter opfern sich für ihre Kinder, manche Menschen opfern sich für ihre Freunde oder sogar Fremde. Besonders eindrucksvoll ist das bekannte Beispiel von Pater Maximilian Kolbe, der freiwillig im KZ Auschwitz in den Hungerbunker ging. Er bot sich als Austausch für den jungen Familienvater Franciszek Gajowniczek an, als der SS-Hauptsturmführer Karl Fritzsch zur Vergeltung für die Flucht eines Häftlings Ende Juli 1941 zehn Männer zum Hungertod in die Todeszelle sperren ließ. „Ich möchte für einen der Häftlinge in den Tod gehen. Ich bin katholischer Priester und habe keine Familie“, soll Kolbe zu dem Stellvertreter von KZ-Kommandant Rudolf Höß gesagt haben. Fritzsch akzeptierte den Austausch. Weil Kolbe die Qualen im Hungerbunker zwei Wochen lang überlebte, wurde er schließlich durch Gift ermordet.

Die Stellvertretung Jesu muss aber doch von solchen menschlichen Beispielen unterschieden werden. Hier geht es um die Übernahme der Schuld und des Gerichts. Das kann kein Mensch, denn das vermochte nur der eine, der ohne Schuld war. Die Bibel beschreibt diese Stellvertretung immer wieder, z. B. „Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe.“ (Joh 10,11), oder mit dem Bild des Gerichts: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“(Jes 53,5). Auch das Bild von der Auslösung aus der Versklavung an Tod und Sünde gehört dazu, das Jesus in dem geheimnisvollen Wort ausgedrückt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ (Mk 10,45) Das bedeutet, dass Jesus gekommen ist als eine Auslösung von der Schuldverfallenheit, denn die „vielen“ (d. h. alle) haben ihr Leben verwirkt. In Mk 8,37 macht Jesus klar, dass niemand sein verwirktes Leben selbst auslösen kann. Erlösung (oder: Aus-lösung) ist mehr als einfach nur Vergebung mit Worten. Hier wird ein hoher Preis gezahlt, wie Paulus mehrfach betont, z. B. in 1Kor 6,20: „Ihr seid teuer erkauft“, und daraus zieht er die Konsequenz: „darum so preist Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes.“

Immer wieder ist dann der Einwand zu hören: „Zur Befreiung von der Sünde braucht Gott doch keinen Tod seines Sohnes am Kreuz. Ein liebevoller Gott kann doch durch sein bloßes Wort vergeben, gewissermaßen: ‚Ich bin dir wieder gut.‘“

Doch mit diesem Ansatz wird weder die Sünde des Menschen ernst genommen noch die Liebe Gottes als wirkliches Handeln. Hier können uns profilierte Theologen Gedankenanstöße zur mündigen Auseinandersetzung liefern:

Der mittelalterliche Kirchenlehrer Anselm von Canterbury antwortet auf einen ähnlichen Einwand (ohne dass man seiner mittelalterlich-juridischen Versöhnungslehre folgen muss): „Du hast noch nicht ermessen, welches Gewicht die Sünde hat.“[xl] Denn Sünde besteht nicht nur in Schuldgefühlen, sondern in der Schuld, die Folgen hat. Sie ist Abkehr von Gott, die unser Leben schädigt. Mit dem Altbischof und emeritierten Theologieprofessor Ulrich Wilckens kann man feststellen:

„Schuldgefühle lassen sich durch Einsicht beseitigen. […] angerichtete Schuld kann nur mitgetragen werden. Und aus partnerschaftlicher Erfahrung weiß man, wieviel stellvertretendes Auf-sich-Nehmen dessen, was der Partner einem angetan hat, zu gemeinsamer Schuldbewältigung oft nötig ist.“ Von hier aus kann man ein wenig ermessen, wie unendlich groß das Gewicht war, das Gottes Liebe sich zugemutet hat. Denn sie nahm die Sünde als reale Abkehr der gesamten Menschheit stellvertretend auf sich, um sie zu überwinden und „die Verderbnis des Lebens der Sünder aufzuheben und zu heilen“.[xli]

Für die biblische Auffassung von Vergebung ist auch die Sühne konstitutiv. Durch Sühne wird das Unheil, das die Menschen angerichtet haben, beseitigt. Entscheidend wichtig ist: Nicht Gott braucht die Sühne (!), sondern der Sünder und die menschliche Gemeinschaft. Durch Sühne wird der Zusammenhang zwischen schädlichem Verhalten (Sünde) und dem daraus sich ergebenden Unheil unterbrochen. Der frühere methodistische Bischof Walter Klaiber vergleicht die Sühnehandlung  mit einer Situation, „in der durch unsachgemäße Arbeit mit giftigen Substanzen der Boden belastet und vergiftet ist. Es genügt nicht, dann zu sagen: lasst uns einen neuen Anfang mit besseren Verfahren machen. Zuerst müssen die Altlasten entsorgt werden.“[xlii] Für biblisches Denken sind die Sünde und lebensfeindliche Verfehlungen vergleichbar mit solchen giftigen Altlasten, die entsorgt werden müssen. Der Einwand, Gott könne doch „einfach so“ mit einem Federstrich die Sünde vergeben, ist naiv und nimmt die Folgen der Sünde (sozusagen die Vergiftung) nicht ernst. Gott bietet Entsühnung, „um die Folgen der Sünde von den Menschen abzuwenden und den Weg zu einer heilen Gemeinschaft zu ermöglichen“[xliii]. Paulus schreibt in Röm 3,25: „Ihn [Christus] hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne wirksam durch Glauben. Damit erweist er seine Gerechtigkeit […]“

Das fundamentale Missverständnis beim Thema „Sühne“ besteht darin, dass man das Sühneopfer Jesu aus dem allgemeinen religiösen Opferkult zu erklären versucht – so, als müsse der Mensch Gott ein Sühnopfer darbringen, um ihn gnädig zu stimmen. „Die Deutung des Opfertods Jesu knüpft zwar an diesen Opferkult an, stellt ihn aber ‚auf den Kopf‘ […] Nicht der Mensch bringt Gott ein Opfer dar, sondern Gott opfert sich für den Menschen“, nicht Gott „bedarf der Versöhnung, sondern der Mensch muss mit Gott versöhnt werden (2Kor 5,19).“[xliv]

Abschließend kann festgestellt werden: Wenn christliche Mündigkeit erreicht und gelebt werden soll, ist es wichtig, die Heilige Schrift zu kennen und dann die Dinge, die uns begegnen, von der Schrift her zu beurteilen. Der Apostel Paulus warnte schon vor fast zwei Jahrtausenden: „Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.“ (2Tim 4,3–4) Mündige Christen lassen sich nicht in die Irre führen, sondern werden an der heilsamen Lehre festhalten.

[i] Kurt Aland (Hrsg.). Martin Luther: Die Hauptschriften. Berlin: Christlicher Zeitschriftenverlag, 19512. S. 210–201.

[ii] Ebd. S. 140.

[iii] Ebd., dort weiter: „Denn man hört von ihnen fast nichts denn solchen Ruhm, daß bei ihnen die Gewalt und das Recht stehe zu beurteilen, was christlich oder ketzerisch sei, und der gewöhnliche Christenmann solle auf ihr Urteil warten und sich an dasselbe halten. Sieh’, wie unverschämt und närrisch dieser Ruhm […].“

[iv] Ebd.

[v] Bibelverse zitiert nach ebd.

[vi] Ebd. S. 140–141.

[vii] Ebd. S. 141.

[viii] Ebd.

[ix] Ebd.

[x] Ebd. S. 142.

[xi] Ebd.

[xii] Bibelverse zitiert nach ebd.

[xiii] Ebd.

[xiv] Ebd.

[xv] Ebd.

[xvi] Ebd. S. 142–143.

[xvii] Ebd. S. 210.

[xviii] Ebd. S. 214.

[xix] Ebd.

[xx] HNA vom 19.11.2016. Eine beliebte Methode der Diskreditierung ist es, biblische Aussagen zu übertreiben und zu karikieren: „Die mittelalterliche Drohung mit endlosem Fegfeuer und Höllenqualen haben wir theologisch überwunden. Die Vorstellung vom strafenden Donnergott, der Menschen Böses tun will, ist jedenfalls nicht das jesuanische Gottesbild.“

[xxi] Aus der Bergpredigt können weitere Belege angeführt werden: „Wer zu seinem Bruder […] sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.“ (Mt 5,22), und: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen“ (Mt 7,21).

[xxii] K. Aland (Hrsg.), Luther: Hauptschriften, 1951,  S. 214.

[xxiii] Ebd.

[xxiv] Ebd. S. 215.

[xxv] Auf den Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes unter Berufung auf Petrus kontert Luther: „Auch Sankt Paulus straft Sankt Peter als einen Irrenden, Gal. 2,11ff. Darum gebührt sichs für einen jeglichen Christen, daß er sich des Glaubens annehme, ihn zu verstehen und zu verfechten und alle Irrtümer zu verdammen.“ (ebd.)

[xxvi] Siegfried Zimmer. Die schwule Frage – Die Bibel, die Christen und das Homosexuelle (5.1.1). URL: http://worthaus.org/mediathek/die-schwule-frage-die-bibel-die-christen-und-das-homosexuelle-5-1-1/ [Stand: 22.11.2017].

[xxvii] Ebd. Siehe auch Michael Kotsch. Diffamierung als „bestes“ Argument. URL: https://bibelbund.de/2015/05/diffamierung-als-bestes-argument/  [Stand: 22.11.2017].

[xxviii] Siegfried Zimmer. Christliche Sexualethik – Der Unterschied in den Paarbeziehungen zwischen antiken und modernen Gesellschaften (5.8.1). URL: http://worthaus.org/mediathek/christliche-sexualethik-der-unterschied-in-den-paarbeziehungen-zwischen-antiken-und-modernen-gesellschaften/ [Stand: 22.11.2017].

[xxix] Armin Baum. Vorehelicher Geschlechtsverkehr in der Antike und in der Bibel: Siegfried Zimmer und die biblische Sexualethik. URL: https://www.weisses-kreuz.de/mediathek/weitere-veroeffentlichungen/vorehelicher-geschlechtsverkehr-in-der-antike-und-in-der-bibel [Stand: 22.11.2017].

[xxx] Siegfried Zimmer. Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Klärung eines Konflikts. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,  2012 (4., durchgehend überarbeitete Auflage).

[xxxi] Siehe auch die Stellungnahme zum Buch: Armin D. Baum. „Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Zu einem bemerkenswerten Buch von Siegfried Zimmer“. In: Theologische Beiträge 39/1 (2008), S. 53–55; außerdem seinen Dialog mit Siegfried Zimmer in: ichthys 46 (2008), nachzulesen: Armin D. Baum. Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Eine Rückmeldung an Siegfried Zimmer. URL: http://www.armin-baum.de/wp-content/uploads/2010/08/A.-D.-Baum-Eine-R%C3%BCckmeldung-an-Siegfried-Zimmer-Ichthys-46-2008-79-87.pdf [Stand: 22.11.2017], sowie: Armin D. Baum. Schadet die Bibelwissenschaft dem Glauben? Fortsetzung eines schwierigen Gesprächs. URL: http://www.armin-baum.de/wp-content/uploads/2010/08/A.-D.-Baum-Fortsetzung-eines-schwierigen-Gespr%C3%A4chs-Ichthys-46-2008.pdf [Stand: 22.11.2017].

[xxxii] Kant erkennt mit seinem für die Aufklärung typischen, optimistischen Menschenbild die Tiefe der Sünde nicht. Er ist überzeugt, dass der Mensch seine als gut erkannte Pflicht auch erfüllen kann.

[xxxiii] Sünde ist für ihn „Hemmung der Reifung der Persönlichkeit zur sittlich-religiösen Vollkommenheit“. Geschichtliche Darstellung nach der Zusammenfassung bei Ulrich Eibach. „Gestorben für unsere Sünden nach der Schrift: Zur Diskussion um die Heilsbedeutung des Todes Jesu Christi“. In: Volker Hampel, Rudolf Weth (Hrsg.). Für uns gestorben: Sühne – Opfer – Stellvertretung. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, 2010. S. 167.

[xxxiv] Rudolf Bultmann. Neues Testament und Mythologie: Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung. München: Kaiser, 19883. S. 19.

[xxxv] Ausführlicher dazu in meinen „Thesen und Anfragen zu Eugen Drewermanns tiefenpsychologischer Interpretation der Bibel“.

[xxxvi] Joanna Carlson Brown, Rebecca Parker. „For God So Loved the World?” In: Joanna Carlson Brown, Carole R. Bohn (Hrsg.). Christianity, Patriarch and Abuse: A Feminist Critique. New York: Pilgrim Press, 1989. S. 1–30. Vgl. zur feministischen Theologie auch Wolfgang Nestvogel. „Die Bibel fasziniert mich … weil sie mir den Weg zu Jesus zeigt: Aufklärung in der aktuellen Diskussion um seinen Sühnetod“. In: Maleachi-Kreis (Hrsg.). Die Bibel fasziniert mich … Bielefeld: CLV, 2012. S. 128: „Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders […] sei typisch männliche Theologie – bedingt durch den Ödipuskomplex. Repräsentativ für diese Ideologie ist ein Aufsatz mit dem Titel ‚Vom Kreuz mit dem Kreuze. Feministisch-kritische Blicke auf die Kreuzestheologie‘ (2006). Darin fordert die Autorin, ‚die Deutung des Kreuzestodes Jesu als von Gott gewollte Heilstat um der Erlösung von der Sünde willen [ist] abzulehnen‘. Nur Jesu Leben und Auferstehung seien Heil bringend, nicht aber sein Tod.“ Siehe: Doris Strahm. Vom Kreuz mit dem Kreuze: Feministisch-kritische Blicke auf die Kreuzestheologie. URL: http://www.yumpu.com/de/document/view/18284592/vom-kreuz-mit-dem-kreuze-feministisch-kritische-blicke-auf-die- [Stand: 22.11.2017].

[xxxvii] Anselm Grün. Erlösung: Ihre Bedeutung in unserem Leben. Freiburg: Kreuz-Verlag, 2004. S. 65 u. 67. Zitiert nach: W. Nestvogel, „Die Bibel fasziniert mich“, in: Maleachi-Kreis (Hrsg.), Die Bibel fasziniert mich, 2012, S. 127.

[xxxviii] In der Zeitschrift Aufatmen 2 (2000). S. 44. Zitiert nach: W. Nestvogel, „Die Bibel fasziniert mich“, in: Maleachi-Kreis (Hrsg.), Die Bibel fasziniert mich, 2012, S. 127–128.

[xxxix] Staudenmaier schrieb schon 1846: „Da keiner für den andern stellvertretend sterben kann; so kann auch Christus nicht für die ganze Menschheit stellvertretend sterben. Sein Leiden und Tod ist nur Zeichen, Symbolö und Beispile was an Allen, in Allen und durch Alle zu geschehen hat.“ Franz Anton Staudenmaier. Zum religiösen Frieden der Zukunft: mit Rücksicht auf die religiös-politische Aufgabe der Gegenwart. Freiburg: Wagner, 1846. S. 91.

[xl] Anselm von Canterbury. Cur Deus Homo. Kap. 21; siehe URL: http://12koerbe.de/pan/curdeus4.htm [Stand: 22.11.2017]: „Nondum considerasti quanti ponderis sit peccatum”.

[xli] Ulrich Wilckens. „Das Kreuz Christi, die Mitte des Glaubens aller Christen“. In: V. Hampel, R. Weth (Hrsg.), Für uns gestorben, 2010, S.  29.

[xlii] Walter Klaiber. „Das Wort vom Kreuz: Skandal oder Herzstück des Evangeliums“. In: V. Hampel, R. Weth (Hrsg.), Für uns gestorben, 2010, S. 36.

[xliii] Ebd. S. 37. Wenn der Priester seine Hand auf den Kopf des Stieres legte, dann übertrug er nicht nur die zu sühnenden Schuld auf das Tier sondern er identifizierte den, der das Opfer darbrachte mit dem Tier. „Indem das Tier den Tod dessen stirbt, der sein Leben verwirkt hat, wird das Todesverhängnis von ihm genommen und damit auch die Gemeinschaft vom Verwesungsgift ungesühnter Schuld befreit.“

[xliv] U. Eibach, „Gestorben für unsere Sünden nach der Schrift“, in: V. Hampel, R. Weth (Hrsg.), Für uns gestorben, 2010, S. 160.