Reformation heute – Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können

03.05.2017

Am 28. April hielt Dr. Albert Mohler, Präsident des Southern Baptist Theological Seminary aus Louisville / Kentucky, im Rahmen der 7. Hauptkonferenz des deutschen Netzwerkes Evangelium21 einen Vortrag unter dem Titel „Reformation heute – Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können“. (Video am Ende des Artikels unten)

Interessant sind seine Ausführungen deshalb, da bei den Südlichen Baptisten etwas bisher Einzigartiges stattfand, nämlich die Rückbesinnung einer Denomination dieser Größenordnung weg vom theologischen Liberalismus hin zu einer biblisch-reformatorischen Theologie. Meist erleben wir, wie nach und nach durch neue Weichenstellungen, Synodenbeschlüsse und Leitungspersonal der Weg dem Liberalismus bereitet wird und unsere Kirchen und Verbände, gerade angesichts des säkularen und postmodernistischen Zeitalters, vor der Herausforderung stehen, treu zur Heiligen Schrift und dem reformatorischen Erbe zu stehen. Die Entwicklung der Südlichen Baptisten kann hier als hoffnungsvolles und ermutigendes Gegenbeispiel dienen.

Die Qualität des Vortrages hat leider ein paar Einschränkungen: durch geschichtliche Ungenauigkeiten und einige Schwächen des noch sehr jungen Übersetzers in Philosophie und Kirchengeschichte. Doch trotz dieser Schwächen und dem freikirchlichen Umfeld von Albert Mohler, das sich daher nicht eins zu eins auf die Gegebenheiten der deutschen Kirchen und Verbänden übertragen lässt, können wertvolle Impulse und Ideen gewonnen werden, wie Kirchen und Gemeinden ihre Mitglieder vorbereiten und stärken können und welche Opfer der lange Prozess einer kirchlichen Reformation fordert. Hier ist Mohler sehr klar und fordert uns zugleich auf, treu zum Evangelium und der biblischen Lehre zu stehen und sich nicht um den Preis der Wahrheit einer schweigenden Mitte hinzugeben (siehe Punkt 7).

Der Blogger Hanniel hat in seinem LiveBlog der Konferenz eine gute Zusammenfassung der 10 Lektionen von Dr. Albert Mohler mitgeliefert:

  1. Isolation dauert nicht an. Gemeinden, die von Natur aus konservativ sind, können in einer falschen Gewissheit leben, dass sie vor dem theologischen Liberalismus geschützt seien. Nur schon die aktuelle Leit- und Massenkultur der Jugendlichen zeigt jedoch: Wir können unsere Kinder nicht davor schützen, von aussen beeinflusst zu werden.
  2. Pietismus ist keine Garantie für Orthodoxie. Unser Leben in der Frömmigkeit stützt sich auf unsere lehrmässigen Überzeugungen. Sobald diese weg sind, wird die Frömmigkeit des Evangeliums entleert.
  3. Der Pragmatismus unterminiert die Lehre. In der Mitte des 20. Jahrhunderts ging es nur noch um Wachstum. Orthodoxie wurde vorausgesetzt. Es ging um Programme. Dieser Pragmatismus schabt an der Lehre.
  4. Bekenntnisse sind notwendig, aber nicht genug. Das Bekenntnis wurde nicht umgesetzt. Dieses muss aber reguliert und eingefordert werden. Leiter sind aufgrund ihrer Treue zu den Bekenntnissen einzusetzen.
  5. Reformation erfordert grossen Einsatz und Überzeugung. Manche setzten ihren guten Ruf aufs Spiel. Sie nahmen Probleme und Streitigkeiten in Kauf. Es bedurfte unglaublich grosser Überzeugungskraft. Denn es musste immer wieder gesagt werden, dass es sich um falsche Lehre handelt.
  6. Wiederherstellung ist sehr kostspielig. Es (ver)braucht unglaublich viel Energie und Zeit. Denn es geht nicht um ein einzelnes Treffen. In jedem Treffen und bei jeder Abstimmung musste gekämpft werden. Es wurden endlos viele Gespräche geführt. Die tiefsten Narben hinterliessen zerbrochene Beziehungen. Eine Gemeinde, die nicht bereit ist, menschliche Beziehungen für die Wahrheit zu riskieren, wird den theologischen Liberalismus aufnehmen. Die Kosten, die folgenden Generationen ohne Evangelium zu lassen, sind jedoch unendlich höher.
  7. Die grössten Feinde der Reformation sind nicht die Irrlehrer, sondern die Masse im Zentrum. Die Gefahr bei der Reformation ging von denen aus, die den Frieden in der Denomination bewahren und den Preis nicht bezahlen wollten. Es stellte sich die Frage: Wer würde bis zur Abstimmung treu bleiben? Die grössten Helden der Reformation waren Gemeindemitglieder, die ihren Urlaub geopfert haben, um für konservative Kandidaten abzustimmen. Von aussen, so Beobachter, sah es wie eine Bauernrebellion aus.
  8. Die grösste Herausforderung besteht im Transfer von einer Generation zur nächsten. Ein entscheidender Faktor war die Liberalisierung der nächsten Generation – ohne dass es den Eltern aufgefallen wäre.
  9. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt: Frühe Reformationsstimmen wurden ausgelöscht, manche Versuche zur Reformation scheiterten. Auch all die liberalen Denominationen gingen nicht ohne Kampf verloren. Das führt zur Frage: Wann müssen wir gehen? Sobald es keine begründete Hoffnung auf eine Erholung gibt bzw. die Satzungen keine Veränderung mehr zulassen; sobald eine Gemeinde sich auf Irrlehre festlegt oder die Autorität ihres Bekenntnisses verleugnet. Spurgeon verliess seine Denomination wie Luther: Er wurde hinausgeworfen. Er hat den Hass vieler für den Rest seines Lebens gespürt. Er fühlte, dass etwas sehr Wertvolles verloren gegangen war. Es hat seine eigene Familie gespalten.
  10. Unsere Zuversicht bleibt in Christus. Auf diesen Felsen baut Gott seine Gemeinde. Das ist keine Verheissung an eine Denomination, an ein theologisches Seminar oder eine Missionsgesellschaft.

Hier das Video zu dem Vortrag:

Albert Mohler: Reformation Today

Albert Mohler jetzt live auf der Evangelium21-Konferenz 2017: Reformation Today – Lessons from the Southern Baptists (Reformation heute – Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können)

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Posted by Evangelium21 on Friday, 28 April 2017