Jesus – der Weg zum Heil auch für Juden

21.12.2016   

Nachdem die EKD-Synode am 9. November 2016 in Magdeburg eine Absage an die sogenannte Judenmission beschlossen hat, meldet nun Dr. Christian Schwark biblisch begründeten Widerspruch an. Dr. Christian Schwark ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Trupbach-Seelbach in Siegen und Mitglied des deutschen Zweiges der internationalen Organisation „Juden für Jesus“. Er gehört auch zum Netzwerk Bibel und Bekenntnis.


Christliche Verkündigung richtete sich im Neuen Testament immer zuerst an die Juden (vgl. Apg 14,1; 17,10). Dementsprechend schreibt Paulus, dass das Evangelium alle rettet, „die daran glauben, die Juden zuerst“ (Röm 1,16, vgl. auch V.14). Demgegenüber will die EKD jetzt darauf verzichten, „Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen“ (Kundgebung „… der Treue hält ewiglich“, These 2).

Dies zu hören, verwundert uns sehr und passt nicht dem, was wir in der Heiligen Schrift lesen. Natürlich sieht die Verkündigung bei Juden anders aus als die bei Nichtjuden. Denn Juden glauben an den gleichen Gott wie Christen. Sie müssen daher nicht ihre Religion wechseln, wie die EKD zu Recht betont (a.a.O.). Aber es gibt vom Neuen Testament her keinen anderen Weg zum Heil als den durch Jesus Christus (Joh 14,6). Das gilt ausdrücklich auch für Juden (vgl. Röm 10). Es ist daher verantwortungslos, Juden das Evangelium vorenthalten zu wollen. Wenn wir dies betonen, wird uns zweierlei entgegen gehalten:

Zunächst wird gesagt, dass Gott das Volk Israel erwählt hat und ihm treu bleibt. Das ist unstrittig (vgl. Röm 11,25-32). Aber das schließt schon im Alten Testament den Ruf zur Umkehr nicht aus, sondern ein. Die Propheten haben nicht auf diesen Ruf und die Warnung vor dem Gericht verzichtet, weil Gott sein Volk erwählt hat und ihm letztlich immer treu bleibt. Im Gegenteil: Gerade die Erwählung Israels stellt dieses Volk in eine besondere Verantwortung (vgl. Am 3,2). Der Ruf zur Umkehr kann für Christen nur der Ruf zum Glauben an Jesus Christus sein (vgl. Mk 1,15). Insofern schließt das Bekenntnis zur Treue Gottes Israel gegenüber den Ruf zum Glauben an Jesus Christus bei Juden nicht aus, sondern ein. Übrigens betont Paulus, dass trotz der Verbindung mit dem jüdischen Volk durch die Erwählung ein Dissens im Blick auf das Evangelium bleibt. (vgl. Röm 11,28).

Weiterhin wird oft argumentiert, dass wir als Deutsche wegen der schrecklichen Schuld die wir Juden gegenüber auf uns geladen haben, nicht die Richtigen sind, um ihnen etwas zu verkündigen. Das hat durchaus etwas Wahres. Aber dann müssten wir es doch umso mehr begrüßen und unterstützen, wenn andere diese Aufgabe wahrnehmen. Am besten können dies Juden, die selbst an Jesus, den Messias, glauben. Darum sollte die Evangelische Kirche die geschwisterliche Gemeinschaft mit messianischen Juden suchen und ihr Zeugnis den Juden gegenüber fördern (vgl. Eph 2,19-22). Dass die EKD dies keiner Weise tut und sogar ausdrücklich verhindert wird, dass messianische Juden gehört werden, z.B. auf dem Kirchentag, können wir nur als eine moderne Form von Antisemitismus betrachten.

Die Ablehnung der missionarischen Verkündigung Juden gegenüber offenbart einen tief sitzenden Schaden der Evangelischen Kirche, der sich nicht nur auf das Verhältnis zu Juden bezieht. Es zeigt sich, dass offenbar weite Teile der Evangelischen Kirche nicht mehr daran festhalten, dass Jesus der einzige Weg zum Heil ist. Dass inzwischen in der Rheinischen Landeskirche schon darüber diskutiert wird, auch auf die Mission bei Muslimen zu verzichten, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Außerdem wird deutlich, dass eindeutige Aussagen der Heiligen Schrift nicht mehr ernst genommen werden. Eine Kirche, in der das „sola scriptura“ nicht mehr gilt, hat keine Zukunft. Insofern können wir der Evangelischen Kirche im Reformationsjahr 2017 nur wünschen, dass sie umkehrt zu dem, was ihre Grundlage ist: dem Glauben an „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird“ (Barmer Theologische Erklärung, These 1). Dann wird sie wie Petrus sagen, dass sie es nicht lassen kann, „von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20)  – auch gegenüber Juden.

Dr. Christian Schwark