Schwarzer Tag für Evangelische Kirche in Bayern

20.04.2018

 

„Die öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnern in Gottesdiensten ist nun auch in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern künftig möglich. Das hat die Landessynode am 18. April auf ihrer Tagung in Schwabach (bei Nürnberg) entschieden. 72 Synodale stimmten dafür, 21 dagegen und 2 enthielten sich. Die Gewissensentscheidung von Pfarrern, eine solche Segnung nicht durchzuführen, wird dem Beschluss zufolge respektiert.“ (idea 19.4.2018)

„Als Kirche haben wir Orientierung vom Wort Gottes her zu geben.“

Die Arbeitsgemeinschaft Bekennender Christen in Bayern hat zum Beschluss der Landessynode Stellung genommen und am 19.4.2018 in einer Pressemitteilung geschrieben:

„Der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) bedauert das mehrheitliche Votum der Landessynode für die Einführung einer gottesdienstlichen Segnung eingetragener Lebenspartnerschaften. „Um es deutlich zu sagen: Es ist für mich in mehrfacher Hinsicht ein schwarzer Tag“, so der Vorsitzende des ABC, Dekan Till Roth (Lohr am Main). „Zuallererst bedaure ich diese Entscheidung um der Mitchristen willen, die homosexuell empfinden und nun von der evangelischen Kirche nicht bestärkt werden, nach Gottes Gebot und Verheißung zu leben.“ Er bedaure, dass die Kirche den Menschen nicht in Treue das Wort Gottes sage: „Als Kirche haben wir Orientierung vom Wort Gottes her zu geben.“

Im Unterschied zur Darstellung in der Synode sei bei dieser Entscheidung sehr wohl das Evangelium tangiert: „Wenn man die Unterscheidung zwischen der Rechtfertigung des Sünders und der Rechtfertigung der Sünde aufgibt, geht das an die Substanz des Evangeliums.“ So empfinde er große Trauer und Besorgnis im Blick auf die Zerrissenheit im Verständnis der Heiligen Schrift.

„Aus meiner Sicht hat der vorbereitende Ausschuss sein Ziel, den Frieden und die Einheit in unserer Kirche zu wahren, nicht erreicht.“ Er könne sich dies nur so erklären, dass vielen nicht bewusst zu sein scheint, wie tief der Dissens gehe. Dass die Fürther Erklärung, die bereits einen hart errungenen Kompromiss dargestellt habe, an diesem Punkt inhaltlich aufgehoben worden sei, verschärfe den Dissens erheblich.

Der ABC würdigt allerdings das klare Votum der Synode für den wechselseitigen Gewissensschutz. Nun komme es darauf an, dass dieser Gewissensschutz auch in der Praxis gelebt wird, so der ABC-Sprecher und Landessynodale Hans-Joachim Vieweger (München): „Entscheidend wird dabei auch sein, dass die Bedenken von Kirchenvorständen und anderen Mitarbeitenden in den Gemeinden ernst genommen werden, um Konflikte in den Kirchengemeinden zu vermeiden“, so Vieweger. Angesichts der möglichen Belastungen des Beschlusses bittet der ABC seine Mitglieder und Freunde um Gebet für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und alle Verantwortungsträger.“

Konzile können irren

„Der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern, der Religionspädagoge Andreas Späth (Windsbach bei Ansbach), sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass es sich bei der gottesdienstlichen Segenshandlung für homosexuelle Partnerschaften um eine Bekenntnisfrage handele. Der Beschluss sei somit ein „Bruch der Kirchenverfassung, die das Bekenntnis der kirchlichen Rechtssetzung entzieht“. Es sei ein „morbide anmutender Widerspruch“, dass sich die Synode schwerpunktmäßig mit dem Thema Mission beschäftigt und dazu aufgerufen habe, einem Gott nachzufolgen, dessen Geboten man selbst aber nicht mehr folgen wolle: „Glücklicherweise hält lutherische Theologie die Erkenntnis fest, dass Konzile irren können – auch diese Erkenntnis wird nicht dadurch falsch, dass die Konzilsteilnehmer es nicht merken.“ (idea vom 19.4.2018)

Nur noch das Geld hält die Kirche zusammen

Wie soll man die Stellungnahme des Landesbischofs der Bayrischen Kirche beurteilen? Naiv, oberflächlich, zynisch? Das Nachrichtenmagazin idea schreibt: „Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München) bezeichnete die Entscheidung der Synode und die Tätigkeit der Arbeitsgruppe, die den Vorschlag erarbeitet hatte, als vorbildlich. In der Kirche gebe es unterschiedliche Deutungen biblischer Texte, „die auch mit großem Bemühen nicht überwunden werden konnten und mit denen wir leben müssen“. Die unterschiedlichen Auffassungen stellten aber „unsere Gemeinschaft in der Kirche“ nicht infrage, so Bedford-Strohm, der EKD-Ratsvorsitzender ist.“

Was hält denn die Gemeinschaft in der Kirche zusammen? Offensichtlich nicht das Bekenntnis zur Bibel als dem gültigen Maßstab für Glauben, Leben und Lehre. Es geht ja in diesem Fall gar nicht um unterschiedliche Deutungen der biblischen Texte, sondern um Ablehnung und Missachtung ihrer eindeutigen Aussagen. Auch dem gutwilligen Beobachter dämmert die Einsicht: Nur das Geld hält die Landeskirchen als Organisationen zusammen.

Bleibt die Frage: Wann werden die Christen, die auch in Zukunft dem reformatorischen „Allein die Bibel, allein Jesus Christus, allein die Gnade, allein der Glaube“ treu bleiben, entschlossen zusammenstehen und sichtbarer den Kirchenleitungen Widerstand leisten – möglichst über die Grenzen der einzelnen Landeskirchen hinaus. Das ist zur Stärkung und Orientierung der Christen und Gemeinden dringend nötig.

Ulrich Parzany